Sammlung

"Elektroofen" um 1955
Ahlmann-Carlshütte KG/Rendsburg

Nach klassischem Vorbild gefertigter „Bilegger“, werkseitig einteilig vormontiert, mit dreistufig regelbarer elektrischer Innenausstattung und einer Heizleistung von 7,5 kW.
Auf schmiedeeisernem Fußgestell themenbezogene Mantelteile zwischen hohlkehlengefasstem Unter- und Oberrahmen, dieser mit gitterartiger Einlage. Landestypische, als Handwärmer ausgeführte, kugelförmige Messinggriffe sowie fein verzierte Stülpe aus Messingblech. Der Nachguss der Front- wie Seitenplatten erfolgte nach einer Vorlage norwegischer Herkunft (vermutlich Eisenhütte Bolvig) um das Jahr 1766 („NORSK JERNSKULPTUR“, Band II, S.14, Arne Nygard-Nilssen).
Seitenplatten mit sitzendem Dudelsackbläser, der einem tanzenden Bauernpaar aufspielt, untermalt von einer zeittypischen Rocaillenschleife mit Muschelbesatz. Stirnseitig, rocaillengerahmt, ein zu tief in seinen Trinkbecher blickender Zecher, vor einem wohl herbeigesehnten Fußwärmer.
Neben den noch zahlreich erhaltenen Ofenplatten mit religiösem Inhalt aus dem 16. und 17. Jahrhundert finden sich zeitgleich vereinzelt auch Ofenplatten bzw. „ganze Öfen“ mit realistischen Schilderungen aus dem Alltagsleben der ländlichen Bevölkerung. Themenbezogene Darstellungen von Bauernhochzeiten, Erntefesten sowie Bauerntänzen mit Musikanten gab es bereits ab dem 16. Jahrhundert („Eisenkunstguß“, Eva Schmidt, Dresden 1976). Zur Ausarbeitung der ja dreidimensionalen Holzmodeln dienten nicht selten Druckvorlagen „Nürnberger Groß- und Kleinmeister“. Von Albrecht Dürer (1471-1528) selbst stammt ein Kupferdruck mit dem Titel „Das tanzende Bauernpaar“.
Das Beispiel der „tanzenden Bauern“ lässt eine immer wiederkehrende, jedoch sich verändernde Ausarbeitung der Gussvorlagen erkennen. Waren es im 16. Jahrhundert die „Nürnberger Kleinmeister“ wie Hans Sebald Beham (1500-1550) oder Georg Pencz (um 1500 -1550), die veränderte Druckgraphiken - wohl auch nach Dürers „tanzendem Bauernpaar“ - hierfür zur Verfügung stellten? Sind möglicherweise noch andere Künstler zu benennen, wie die Wiedergabe tanzender Bauern auch auf einer Königsbronner Ofenplatte, ebenfalls aus dem 16. Jahrhundert, offen lässt?
Einen Hinweis auf einen konkreten Bildschnitzer liefert Walter Hentschel in seinem Buch „Kursächsischer Eisenkunstguß“, Dresden 1955. Demnach sind die im „Museum für sächsische Volkskunst“ befindlichen Plattengüsse „tanzender und musizierender Bauern“ - und damit die Bildmotive zum „Bauerntanzofen“ – möglicherweise auf Model des Bildschnitzers Georg Fleischer dem Älteren (1535-1604) zurückzuführen. Trotz nüchterner Darstellung der „Bauerntanzkomposition“ auf dem Carlshütter Elektroofen ist, aufgrund der Bewegtheit der Figuren und einer gewissen Detailverliebtheit, ein Vergleich mit dem Dresdner „Bauerntanzofen“ erlaubt.
Mit dem Zuzug sächsischer Fachleute für Bergwerks- und Hüttenwesen während der 1. Hälfte des 16. Jahrhunderts nach Norwegen entstand dort eine eigenständige Kultur der Eisenöfen, die bis heute gepflegt wird. Durch die vor allem aus Hessen und dem Harz eingeführten Ofenplatten und Öfen gelangten wohl auch Modellvorlagen dorthin. Erst mit Beginn des 17. Jahrhunderts entwickelte sich in Norwegen eine eigene Ofenproduktion. Vgl. auch Öfen Nr. 126 und Nr.251

Höhe: 124 cm
Breite: max. 49 cm
Tiefe: max. 78,5 cm
Gewicht: ca. 110 kg
Brennstoff: Elektrifiziert
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