"Füllregulierofen" um 1895
Julius Wurmbach/Bockenheim
Hochrechteckiger, auf quadratischem Grundriss in zwei Hauptteilen vormontierter, bunt emaillierter Allesbrenner mit offener Kochnische, extraschweren Rostsystemen sowie primärer, sekundärer und tertiärer Abbrandsteuerung. Flachdachähnliche, als Revisionsöffnung gedachte Abschlusshaube mit separater, vierteiliger Galerie und offen liegender Wasserverdunstungsschale.
Auffällige, als Erkerelemente auf greifvogelartigen Konsolen unter geschwungenem Walmdach ausgeformte Seitenteile. Bei der sich aus dem Fenster lehnenden Mädchenfigur handelt es sich um "Aschenputtel", wohl nach einer Zeichnung von Adrian Ludwig Richter (1803-1884).
Dekorativer Höhepunkt dieses Ofens ist ein stabrandgefasstes Reliefbild: Vermutlich die szenische Darstellung der "Feuerübergabe" an die Menschheit durch einen Götterboten - möglicherweise den vedischen Gott des Feuers, Agni, oder den nordischen Feuergott Loki. (Siehe auch diesen Ofen).
Mit seinem umfangreichen theoretischen Grundwissen und den vor allem auf der Nieverner Hütte erworbenen praktischen Erfahrungen hatte Julius Wurmbach die besten Voraussetzungen für seine eigene Unternehmensgründung. Die Nieverner Hütte gehörte bereits Mitte des 19. Jahrhunderts – nicht zuletzt aufgrund ihrer emaillierten Poteriewaren – zu den bedeutendsten Eisenwerken ihrer Zeit. Das Können und Wissen, Gusseisen zu emaillieren, fand auch bei den von Julius Wurmbach hergestellten Öfen in zahlreichen Varianten Anwendung, ebenso sein Gespür für außergewöhnliche Ofen-Architektur. Der Abguss „feiner Öfen“ beschäftigte Wurmbach bereits nachweislich um 1878. Neben seinen Tätigkeiten in zahlreichen fachlichen und politischen Vereinen sind vor allem seine Mitgliedschaft im preussischen Abgeordnetenhaus zwischen 1893 und 1898 und seine führende Rolle beim Verein Deutscher Eisengiessereien erwähnenswert.

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