Sammlung

"Regulir-Circulir-Ofen" um 1885
Wiedaer Hütte, Wieda/Harz

Mittelgroßer Stubenofen in klassischer Aufteilung und vollflächiger Bildgebung im Stile der Neorenaissance. In querrechteckiger Grundform am Stück gefertigter Aschenkastensockel mit konvexen Wandungen und primärluftführender Zuluftrosette in der Aschenkastentüre. Kombinierte Brennraum-Kochkammer-Variante mit jeweils einteiligen Mantelpartien in optischer Unterteilung. Warmhaltekammer zwischen zugverlängernden Querschächten mit Steig- und Sturzzug für langflammige Brennstoffe. Ausladendes Kranzgesims mit glatter Revisionsplatte und verspielt ausgestaltetem, dreiteiligem Figurenpotpourri im Halbrelief.
Flächendeckend sich wiederholendes, meist rahmengefasstes Groteskrankenwerk, Engelsköpfchen, Gorgonenmasken, Fabelwesen sowie musizierende Engel und eine barbusige Muse vervollkommnen die üppige Ausgestaltung. Es bleibt dem Betrachter überlassen, ob er darin eine „Geschmacksverderbnis“ oder eine „Veredelung“ des „Ornaments“ aufgrund materiell-technischer Neuerungen sehen will. Sämtliche mit Seriennummern gekennzeichneten Regulier-Zirkulier-Öfen wurden sowohl mit als auch ohne Kochkammer angeboten.
Von der unter dem Modelleur Keidel entstandenen Modellvielfalt Mitte der Achtzigerjahre des 19. Jahrhunderts profitierte das Werk bis über die Jahrhundertwende hinaus, investierte jedoch zu wenig in notwendige technische Veränderungen. Auch die brennstoffspezifischen Weiterentwicklungen kamen zu spät, ebenso der Bau der Emaillier- und Vernickelungsanstalt. Die Wiedaer Hütte nahm weder am Rüstungsprogramm vor dem 2. Weltkrieg teil noch wurde zwischen 1914 und 1918 auf die Produktion von Kriegsmaterial umgestellt.

Höhe:184 cm
Breite: 50,5 cm
Tiefe: 37 cm
Gewicht: 110 kg
Brennstoff: H, T, LK
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