"Würtemberger Säulen-Ofen" um 1850
Rheinböllerhütte/Rheinböllen
Fünfteilig gegossener Säulenofen für langflammige Brennstoffe in spätbiedermeierlicher Bildgebung. Achteckiger Unterbau mit achtspitzigem, offenem Kreuzmotiv der Seitenflächen. Leicht ausladender Säulenfuß mit angesetztem Wandschacht und metamorpher Szene: Spiegelbildlich an einem Ornamentsockel angelehnte Meerjungfrauen mit Trinkschalen für eine schlangenartige Flora. Auf einem Zylinder als zentrales Motiv Artemis, die griechische Göttin der Jagd, mit Köcher und Bogen. Nach oben leicht ausladendes, gewulstetes Kapitell mit ornamentiertem Springbrunnen, links- und rechtsseitig von geflügelten Drachen besetzt.
Schon um 1825 findet sich die identische Darstellung der Artemis auf zwei Modellen als Hauptmotiv. Die oft auf den ersten Blick zum Verwechseln ähnlichen „Säulen-Öfen“ der Wasseralfinger und der Rheinböller Hütte sind an der unterschiedlichen Ausarbeitung des Unterbaus zu erkennen:
Wasseralfinger Säulenöfen aus dieser Zeit zeichnen sich durch filigran durchbrochen gearbeitete Seitenmotive in Lyra- und Rundbogenornamentik aus, Rheinböller Säulenöfen hingegen durch das schnörkellose, achtspitzige Kreuzmotiv. Die Zusammenarbeit beider Eisenwerke ist bereits anhand des zweiten Musterbuches der Rheinböllerhütte von 1825 ersichtlich. Dort wird erstmalig ein sog. „Würtemberger Saul-Ofen“ aufgeführt.

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