"Füllregulierofen" um 1890
Julius Wurmbach/Bockenheim
Vertikal gegliederter, in drei Teilen vormontierter Ofen aus der Zeit der Backsteingotik, in flächendeckender, schichtartiger Mauerwerksarchitektur mit sowohl funktionalen wie auch ritterlich-verspielten Akzenten. Hochrechteckiger Brennraum auf vierteilig hergestelltem Aschenkastensockel über quadratischem Fußwerk. Leicht zurückgesetzter, ebenfalls hochrechteckiger, zugverlängernder Aufsatz mit portalartiger Kochnische und Warmhalteplateau. Im Rundbogenfeld der Flügeltüre in auffälliger Plastizität gearbeitete Halbreliefs der Grafen zu Mansfeld.
Höhepunkt des an einen Baukörper erinnernden Ofens bildet der mit über Eck gesetzten Erkern und Pyramidendach samt Dachreiter sowie Wetterfahne versehene turmähnliche Abschluss über einem vorgelegten Rundbogenfries mit getrennt aufliegender Zinnengalerie in Zahnschnittornamentik und seitlichen Wasserspeiern. Technische Besonderheiten sind der Treppenrost mit „Glutabstandshalter“, ferner das reversible, herzförmig überlappende Rüttelrostsystem und die patentierten Rillensteine zur Brennkammerauskleidung. Zudem wurde der Ofen auch in emaillierten Varianten angeboten. Die im Kachelofenbau schon während der Renaissance unternommenen Versuche, Gebäudearchitektur auf den Ofenbau zu übertragen, finden beim „gusseisernen Turmhausofen“ - aus fertigungstechnischen Gründen - erst Ende des 19. Jahrhunderts ihre Liebhaber.
Die von Julius Wurmbach (1831-1901) im Jahre 1872 gegründete und im Laufe der Jahre um eine Ofen- und Maschinenfabrik erweiterte Eisengießerei erlangte ihre überregionale Bedeutung in erster Linie durch die ausgefallene Modellpolitik und besonders hochwertigen Ofen- und Herdguß. Aus diesem Grunde finden sich Wurmbach-Öfen heute noch vereinzelt auch im europäischen Ausland, beispielsweise in Frankreich oder Norwegen. Es ist daher nicht verwunderlich, dass Wurmbach als Mitglied des „Vereins Deutscher Eisengießereien“ bei deren 24. Hauptversammlung im Jahre 1892 die Bruchgefahr gusseiserner Waren im Bahnverkehr thematisierte.

Sammlung
Copyright 2014-2023 | Deutsches Eisenofenmuseum | Karin Michelberger & Wilfried Schrem | Impressum & Datenschutz