
Der Urnen- oder Vasenofen
Dies ist die formbestimmende Namensgebung für die ersten seriengefertigten gusseisernen Kohleöfen. Neben der herkömmlichen Bedeutung der Urne als Gefäß zur Ascheaufbewahrung dienten vermutlich auch aus Gusseisen gefertigte Gartenvasen als „Modellvorlage“.
Seit Jahrhunderten fanden zahlreiche metallische und keramische Gefäße aus unterschiedlichen Gründen zur mobilen Aufbewahrung „heißer Kohle“ Verwendung. Die naheliegende Idee, diese Möglichkeiten „dauerhafter“ zu nutzen, findet in den Urnen- oder Vasenöfen ihre ersten Vertreter: Die Form nun auch in ihrer Funktion war bereits die eigentliche technische Neuerung. Zugleich mussten mit der sich weiterentwickelten Wohnkultur auch höhere Ansprüche in der räumlichen Grundausstattung befriedigt werden: So schuf der Begriff des Vasen- oder Urnenofens ein „namentlich vornehmes“ Alleinstellungsmerkmal unter den Rundöfen.
In leicht gebauchter, runder, ovaler oder gemischter Grundform, mit und ohne Kochkammer, sich zum Aschenfall hin stets verengender Baukörper mit Front- oder Seitenfeuerung, kappen-ähnlichem Revisionshut und meist schräg angesetztem Rohrstutzen. Wohl aus Brandschutzgründen stand dieser fußlose Ofentyp häufig auf rundem oder eckigem, teilweise behauenem Steinpodest.
Die Kohletauglichkeit wurde in erster Linie durch die unter den Rund- bzw. Ovalrost führende Primärluft und den separat gegossenen Aschenkastensockel erreicht.
Mit zunehmender Bedeutung der „schwarzen Brennstoffe“ im alltäglichen Hausbrand entwickelten sich zahlreiche Brennkammerbauweisen, um die Effizienz der Kohleverbrennung zu verbessern. Dazu gehörten auch Versuche, mit sog. „Förmlingen“ aus meist keramischen Materialien den zu raschen Abbrand der Kohle zu verhindern und noch mehr Nachhaltigkeit bei der Wärmeabgabe zu erzielen. Derartige Anpassungen fanden in diesem Zeitraum auch bei den bereits seriengefertigten Rund-, Pott- bzw. Ringwulstöfen statt.
Die einheitliche Namensgebung bei zahlreichen Ofenherstellern ist in erster Linie der Urnenform geschuldet, die durch den kompakten Zusammenhalt der Kohle ein vollständiges „Durchglühen“ dieses Brennstoffs begünstigte. Der Produktionszeitraum dieses Ofentyps begann gegen Ende des 18. Jahrhunderts, doch finden sich Urnenöfen auch noch in Musterbuch-unterlagen des zweiten Drittels des 19. Jahrhunderts. Im Gegensatz zu den Urnen- oder Vasenöfen sind sog. Amphorenöfen bei vergleichbarem Grundkörper grundsätzlich mit Henkeln ausgestattet.