
Der Rund- oder Säulenofen
Wie schon bei anderen Beschreibungen einzelner Ofenformen, erfolgen konkrete Zuordnungen unter Auswertung von Originalunterlagen (Musterbüchern, Entwurfszeichnungen, Inventurlisten) immer retrospektiv. Da der Sammelbegriff Rund- oder Säulenofen auch synonym Verwendung findet, wurden für konkret definierbare Sonderformen eigene Begriffserklärungen erstellt (s. Ringwulst-, Urnen-, Pott- oder Kachel-Ofen).
Neben den klassischen Plattenöfen entstanden bereits im Laufe des 17. Jahrhunderts - auf der Suche nach effizienteren Heiz- und Kochgeräten und nicht zuletzt aufgrund zunehmender Bedeutung schwarzer Brennstoffe - auch Öfen in runder Grundform.
Dabei wurden anfänglich noch aus Blech gefertigte „Experimentieröfen“ für unterschiedliche Festbrennstoffe (s. Frantz KESSLER, Leonard Christoph STURM etc.) dank weiterentwickelter Herstellungsverfahren im Gießereiwesen durch mehrteilig passgenau übereinandersetzbare Hohlkörper aus strapazierfähigem Gusseisen ersetzt. Erfahrungen aus dem Potterie- bzw. Kanonenguss waren bereits vorhanden und so entstanden unter dem Einfluss der jeweiligen Epoche zum Teil skurril anmutende Rundofenformen, vor allem für die höfische Gesellschaft.
Anfänglich in aufwändigem Schablonenlehmguss, später auch mit Messingmodellen im Sandguss hergestellte Öfen und Ofenteile finden sich als vereinzelte Auftragsarbeiten bereits zu Beginn, in Serie gefertigt jedoch erst ab Mitte des 18. Jahrhunderts.
Die zunehmend auch wissenschaftliche Betrachtungsweise unterschiedlicher Brennstoffe und ihres jeweiligen Abbrandverhaltens führte zwangsweise zu Korrekturen in der Formgebung. Neben der eher horizontalen Bauweise der Kasten- bzw. Zirkulieröfen ermöglichten rund gegossene Hohlkörper nun auch vertikale Rauchgasführungen, die den Abbrand schwarzer Brennstoffe begünstigten. Fortan wurden diese „Rundöfen“ auch als solche benannt, ehe sie durch Begriffe wie „Werkstatt-, Prunk-, oder Kasernenöfen“ zweckbestimmt zugeordnet wurden.
So verweist die „Königlich Württembergische Eisengießerey Wasseralfingen“ im 2. Heft über „Zimmeröfen“ für die Jahre 1816-1825 neben den „Platten- bzw. Circulir-Öfen“ auch auf zylindrische und ringwulstartige „Rundöfen“ und differenziert ab 1825 bereits bei den „Säulenöfen“ zwischen Öfen mit „ganzen Säulen“ bzw. Öfen mit „mehrteiligen Aufsätzen“, ferner zwischen (runden) „Saal-Oefen“ und „kanellirten Säulen-Oefen“. Die Begriffe „Rund- bzw. Säulen-Ofen“ werden dabei synonym verwendet. Ringwulstöfen tragen noch die Bezeichnung „Canonen-Ofen“ (wohl als Hinweis auf deren Entstehungsgeschichte) und Rundöfen mit ausgewiesenem Aschenkastensockel zählen zu den „Postament-Öfen“.
Mit dem ab der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts von allen namhaften Eisenofenproduzenten hergestellten „Füllregulierofen“ fand „die Säule“ in ihrer ursprünglichen Form ein letztes Mal Verwendung
im klassischen Ofenbau: Als ein- bzw. mehrteiliger Zugverlängerer in meist runder, selten achteckiger Grundform, auf unterschiedlichen Brennkammerunterbauten.
Für die ab dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts bis heute rund gefertigten Dauerbrandöfen hat sich die Bezeichnung „Kanonenofen“ landläufig gehalten.