Begriffserklärung

Der Ringwulstofen

Zu den auffälligsten und eigenwilligsten Ofenformen gehört der an seinen horizontalen, das jeweilige, meist bauchige, glockenförmige oder zylindrische Formteil begrenzenden wulstartigen Randausbuchtungen erkennbare und danach benannte, gewöhnlich runde „Ringwulstofen“. Auch sind wenige Exemplare in ovaler Ausführung bekannt.


Die Herstellung erfolgte anfänglich meist im mehrere Arbeitsgänge erfordernden „Schablonen-Lehmguss“. Um eine gleichmäßige Wandstärke des jeweiligen Gussstückes zu erzielen, mussten sowohl der „Formkern“ und „Formmantel“ präzise aufeinander abgestimmt werden. Dabei dienten z.B. in den Ringwulst des Formmantels eingelegte Bleikugeln als „Abstandshalter“. Auch begünstigten die Ringwülste eine präzisere Ausrichtung der stehend auszugießenden Formteile und damit eine gleichmäßige Verteilung des flüssigen Eisens. Fußwerk und Bekönungen dieser Öfen wurden schon vorab gegossen, am bereits fertigen Werkstück im „Urschweißverfahren“ auf der jeweiligen Oberfläche aufgesetzt und fixiert.


Ringwulstöfen sind aufwändig gefertigte Einzelstücke, da zur Herstellung ihrer Einzelteile - im Gegensatz zum Abguss mittels Modellplatten - sowohl der Formkern als auch der Formmantel für jedes einzelne Exemplar neu hergestellt werden mussten, abgesehen von einzulegenden und daher mehrfach verwendbaren reliefartigen Applikationen. So ist es nicht verwunderlich, dass dieser Ofentyp zunächst eher gehobenen Bevölkerungsschichten vorbehalten blieb. Anfänglich wurden die meisten Ringwulstöfen als sog. „Hinterlader“ gefertigt, also von außerhalb des zu erwärmenden Raumes bedient. Mit der zunehmenden Verbreitung schwarzer Brennstoffe gegen Ende des 18. Jahrhunderts wurden Ringwulstöfen - in ihren kleinsten Formen - auch als raumseitig zu betreibende Heizkörper angeboten. Mit Rundrösten ausgestattet, ermöglichten sie ein kompaktes Befüllen und wurden auch als „Voröfen“ an schwerfällig zu beheizende Kachelöfen angeschlossen.

 

Stilistisch ist die Formensprache des Ringwulstofens dem Barock bzw. Rokoko zuzuordnen, findet sich jedoch auch noch im ausgehenden 19. Jahrhundert. In Ländern wie Italien hatten sich bereits zu Beginn des 17. Jahrhunderts in der Architektur kraftvolle und bewegte Formen des Hochbarock durchgesetzt, in Deutschland jedoch verzögerten die Folgen des Dreißigjährigen Krieges eine zeitlich parallele Entwicklung. Die wirtschaftlichen und sozialen Folgen lassen sich auch an einzelnen Hüttengeschichten ablesen. So ist es nicht verwunderlich, dass die ersten nennenswerten Erzeugnisse dieses Ofentyps erst mit Beginn des 18. Jahrhunderts landesweit Erwähnung finden, mussten doch auch Gießereibetriebe - sofern sie wirtschaftlich dazu noch in der Lage waren - von der Herstellung von Kriegsgerät auf Gegenstände ziviler Nutzung umstellen; zudem setzte das Herstellungsverfahren dieser Öfen enorme Fachkenntnisse voraus. Die Erfahrungen der Glocken-, Topf- und Kanonengießer waren dabei sicherlich von Nutzen.


Ein nicht zu unterschätzender praktischer Vorteil lediglich am Stück aufeinander zu setzender „Module“ bestand in ihrer unkomplizierten Weise des Aufbaus: Der aus mindestens 2 oder mehreren Teilen bestehende Ofenkörper musste lediglich horizontal abgedichtet werden. Aufgrund seiner Formgebung hatte er zudem eine größere Abstrahlungsoberfläche als herkömmliche Plattenöfen.

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