Begriffserklärung

Der Eremitageofen

Äußerlich geschlossener, hochrechteckiger Sechsplattenofen in vertikal-funktionaler Gliederung mit integrierter Koch- bzw. Warmhaltenische über einer Flachfeuerung mit Tafelrost bzw. tiefergelegtem Kohlebecken in meist offenem oder als Brennraum genutztem Sockelunterbau mit und ohne Fußwerk. Unter den Eremitageöfen finden sich neben klassischen „Hinterladern“ ebenso Modelle mit Front- oder Seitenfeuerung. Neben der gewöhnlich meist rechteckigen Grundform lassen sich auch Öfen mit geschweiftem Grundriss nachweisen.

Wie bereits die Namensgebung vermuten lässt, richten sich die Angebote des zwischen den Zwanziger- und Neunzigerjahren des 19. Jahrhunderts vertriebenen „Zimmerofens“ zunächst an nicht alltägliche Kundschaft. Die mit dem Begriff „Eremitage“ implizierte, romantisierende Vorstellung von Zurückgezogenheit bzw. einem solitären ausgelagerten „verschönerten Ort der Ruhe“ wurde vereinzelt noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts inhaltlich weitervermittelt. So werden von den Buderus’schen Eisenwerken der Main-Weser-Hütte mehrere „Eremitage-Regulier-Füllöfen“ mit Ventilation und Wasserverdunstung angeboten, obwohl diese Öfen weder in Form noch Technik mit den ursprünglichen Eremitageöfen vergleichbar sind.

Die Verwendung des Begriffs „Eremitageofen“ erfolgte also nicht immer in Übereinstimmung mit der ursprünglichen Bau- und Konstruktionsweise, sondern wurde herstellerseits nach Belieben auch für abgewandelte oder ganz andere Bauweisen verwendet. So findet sich in den Verkaufsunterlagen der Heinrichshütte in Wurzbach um 1850 ein sog. „Eremitageofen“: Sowohl vom Erscheinungsbild her als auch technisch handelt es sich hierbei jedoch eindeutig um einen „sog. „Wirtschaftsaufsatzofen“, eine Ofentypisierung, die es allerdings zum Zeitpunkt der Fertigung namentlich noch nicht gab.

Auch sind die Übergänge zu den in erster Linie wandseitig zu betreibenden Öfen mit „Wasserschiff“ und „Kochhälsen“ fließend. Zu den technisch auffälligsten Eremitageöfen gehört ein um 1860 gebautes Modell der Eisengießerei Laucherthal: Der Abbrand erfolgte nach dem sog. „Zigarrenprinzip“.

Der Eremitageofen in seiner urprünglichen Konzeption gehört rückblickenderweise zu den „kundenfreundlichsten“ Zimmeröfen seiner Zeit. Als Zwitter zwischen Zeit- und Dauerbrandofen war dieser Typus neben den oftmals noch den Haushalt dominierenden offenen Feuerstellen ein willkommenes, da umzugs- und reparaturfreundliches Heizgerät. So ist es auch nicht verwunderlich, dass zahlreiche Modelle sowohl als Lizenz- bzw. Nachguss wie auch als Handelsware, etwa im Bereich der k.u.k.-Monarchie, ihre Verbreitung fanden. Dabei wurden Eremitageöfen verschiedener Hersteller auch unter nicht-Beibehaltung der ursprünglichen Namensgebung, beispielsweise unter den Bezeichnungen “Frühstück-Öfen mit Holzheizung“ oder „verzierte Frühstücköfen“ durch den Wiener Großhändler Waagner, angeboten.

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